Tauche ein in meine Welten...


Hallo,

Als kleinen Vorgeschmack bekommt ihr hier einen Ausschnitt aus meinem neuen Buch - das leider noch in der Manuskriptphase steckt - zu lesen. 

Viel Freude dabei!

 

Langsam perlten die runden Tränen von meinen Wangen ab und fielen sanft auf den mit Moos bedeckten Boden. Eine heftige Windböe erschütterte die Bäume rings um mich herum und meine langen Haare flogen wild durcheinander.
Ich warf einen verzweifelten Blick in alle Richtungen, doch es war hoffnungslos. Ich hatte mich verirrt. Vorsichtig lauschte ich, ob ein Geräusch zu hören war. Außer dem leisen Wiegen der Bäume im Wind und einigen aufgeschreckten Vögeln vernahm ich keinerlei Laute. Hatte er aufgegeben?
Ich schüttelte den Kopf. Unmöglich. Er war hartnäckig.
So lief ich weiter, immer geradeaus, bis vor mir ein gigantisches Gebäude aus dem Boden ragte. Seltsam, wieso hatte ich es zuvor nicht bemerkt?
Dennoch wagte ich mich hinein, nichts war besser als ein solches Versteck.
Die große Eingangstür, die bald ganz aus ihren Angeln fallen würde, knarrte als ich sie aufstieß und roch modrig. Schnell schlüpfte ich durch den Spalt und stieß die Tür leise wieder zu. Schnell weiter!
Eine Gänsehaut überzog meinen gesamten Körper als ich durch die große Eingangshalle marschierte. Überall wuchsen Moos und kleine Sträucher. Einzelne Sonnenstrahlen, die durch die Decke drangen zeigten mir einen Weg durch dieses verlassene, verwilderte Haus.

Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Er würde mich hier einkerkern!

Meine Gedanken überschlugen sich und ich rannte panisch durch den breiten, mit Schlamm verdreckten Gang inmitten dieser Wildnis. Bis dieser auf einmal abrupt endete und nur ein kleines, schmales Loch in der Wand einen weiteren Fluchtweg bot.
Was nun? Mich durch das enge Loch quetschen und auf allen Vieren weiter kriechen? Oder endgültig aufgeben?
Ich entschied mich für Ersteres und begann mich durch den Eingang zu schieben. Etliche Meter krabbelte ich durch den Schlamm und kaltes Wasser tropfte von der Decke. Ich zitterte am ganzen Leib und die Angst hatte mich fest in ihrem Griff.
Als ich endlich ein schwaches Licht am Ende des Tunnels leuchten sah, war ich vollkommen durchnässt und dreckverkrustet. Vorsichtig plumpste ich in Richtung Freiheit, als vor mir auf dem Boden ein Paar schwarze Stiefel standen.

 

Wie konnte das sein? Er war doch weit hinter mir gewesen!
Entsetzt richtete ich mich auf und blickte in die dunklen Augen meines Exfreundes.
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht und er presste mich gegen die Wand. Er stand so dicht vor mir, dass ich seinen heißen Atem auf meinen Wangen spüren konnte. Langsam sprach er zu mir:
„Meine Schöne, wieso läufst du von mir weg? Ich will dich doch nicht verletzen. Du weißt, wie sehr ich dich liebe.“
Sein Gesicht kam den meinem immer näher und ich wusste, wenn er mich küssen würde, kämen all die Erinnerungen in mir hoch und alte Wunden würden wieder aufreißen.
Normalerweise waren sie in meinem Inneren tief und fest eingeschlossen, aber seine bloße Anwesenheit ließ sie an die Oberfläche kommen.
Und das wusste er.
Deshalb war er mir jetzt auch so nah.
Dieser unberechenbare Mann stand vor mir und wollte sich das zurückholen, was ihm gehörte.
In letzter Sekunde wand ich mein Gesicht von ihm ab und er küsste nur mein Haar.
„Wieso wendest du dich so von mir ab? Hatten wir keine schöne Zeit zusammen?“
„Kannst du mich nicht einfach in Frieden lassen? Es ist vorbei!“, flehte ich ihn weinend an.
„Bitte gib mir mein Leben zurück. Du wirst eines Tages jemanden finden, der für alle Zeiten an deiner Seite weilen will. Aber diese Person bin nicht ich.“
Grob packte er mich an meinem Kiefer und zwang mich ihn anzusehen.
„Du bist mein. Niemals wirst du diesen Ort verlassen.“